Maren Schneider im Gespräch mit Beate Maria Gehrke

Lesezeit 8 Minuten

Hallo Beate, ich freue mich auf unser gemeinsames Gespräch!

 

Du warst in verschiedenen Berufen tätig und hast dich Anfang 2022 mit deinem Unternehmen RAUMgeBILDe in einem Bereich zwischen Kunst und Design selbständig gemacht. Wie hat sich dein Interesse am Gestalten entwickelt? 

 


 

Bereits als Kind hatte ich eine genaue Vorstellung von Ordnung und wenn dem nicht so war, konnte ich ziemlich unangenehm werden. Wobei das heute nicht anders ist... (zwinkert). Glücklicherweise kann ich mittlerweile entspannter damit umgehen; meine Familie soll schließlich gerne mit mir zusammenleben.

Dennoch  ist mein Sinn fürs Ordnen und Gestalten in unserer Wohnung allgegenwärtig und das finden auch alle gut, solange es nicht ins Dogmatische ausartet. Klarheit im Lebensumfeld wirkt sich ja auch auf die Gemütslage aus...

Aber nochmal zurück zu den Anfängen. In meiner Jugend habe ich eigentlich ständig etwas von Hand gearbeitet und gewerkt, Kleidung entworfen und mitunter angefangen, zu nähen. Doch erst, nachdem ich meinem erlernten Beruf  als Elektrotechnische Assistentin den Rücken zugekehrt und das Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt hatte, kam ich auf die Idee, beruflich etwas Gestalterisches zu machen. Ich entschied mich für das Studium der Garten- und Landschaftsarchitektur. 

Nachdem du das Diplom in der Tasche hattest, hast du eine Stelle als Garten- und Landschaftsarchitektin angenommen.

Ja, meine erste Anstellung hat mich 1995 nach Freiburg gebracht und 1998 machte ich mich mit meinem Unternehmen freiraum concept selbständig. Diese Anfänge waren für mich mit die schönste Zeit, weil ich an etlichen Wettbewerben teilnahm, die für mich als Newcomer offen waren. Ich wollte mich einfach kreativ ausleben und sehen, was meine Ideen wert sind. Diverse Preise und ein sehr gut dotierter zweiter Rang für eine Platzgestaltung in Nürnberg brachte mir neben ersten Aufträgen genug Geld ein, um mich meiner Leidenschaft hinzugeben. 

Wie ging es weiter?

Später war ich auch an gemeinsamen Wettbewerben mit Architekten und Landschaftsarchitekten interessiert und nahm in verschiedenen Konstellationen an Wettbewerben teil; leider blieben die großen Erfolge aus und die Teilnahme an eigenen Wettbewerben gestaltete sich durch vorgeschaltete Bewerbungsverfahren zunehmend schwieriger. Darüber hinaus forderte das stark wechselnde Arbeitspensum als Soloselbständige seinen Tribut. So entschied ich 2004, meinen KeplerSpielPlatz noch fertig abzuwickeln, einen Auftrag der Stadt Freiburg mit Bürgerbeteiligung, und nach neuen Ufern Ausschau zu halten.   

Noch im selben Jahr fand ich eine berufsfremde Anstellung in einem quirligen Umfeld und konnte dort meine sozialen, organisatorischen und gestalterischen Fähigkeiten zum Einsatz bringen. Bald danach, im Jahr 2005 kam mein Sohn zur Welt, zwei Jahre später meine Tochter. Ab dem Zeitpunkt blieb ich zu Hause und widmete mich meiner Familie und sofern zeitlich möglich, verfolgte ich weiterhin meine Projekte im eigenen Heim und Garten.

Später bist du nochmals in die Garten- und Landschaftsarchitektur eingestiegen.

Ja, 2010 bin ich in eine Anstellung zurückgekehrt und habe bis 2018 bei diversen Unternehmen gearbeitet. Das Entwerfen machte mir immer riesigen Spaß, doch ich hatte kein Interesse, mich zunehmend der Kalkulation und Ausschreibung zuzuwenden und zog einen Schlussstrich unter meine Tätigkeit als Garten- und Landschaftsarchitektin. 

Danach versuchte ich mich nochmals auf Abwegen; doch diesmal war mir das Glück nicht beschieden und so stand ich im Sommer 2019 vor dem beruflichen Aus. Ich war ziemlich ernüchtert.

Wie kam es zu RAUMgeBILDe?

Die Idee entstand im Gespräch mit einer Bekannten im Herbst 2019. Ich fand Gefallen an dem Gedanken, Objekte zu vermarkten, die ich für mein Zuhause entwickelt und umgesetzt hatte. Mit meinen Scheiben und selbst gewickelten Lampenschirmen aus Naturgarnen wollte ich starten. Letzteres habe ich bald verworfen. Zu aufwändig, zu filigran, zu unsicher in der Herstellung. 

 

Die Installation mit der Scheibe ALPHA habe ich weiterverfolgt. 2020 konzipierte ich die Aufhängung neu, wodurch die Installation wandelbar wurde. Nebenbei war ich stark eingebunden bei der „häuslichen Beschulung“ meiner Kinder und bastelte meine Website zusammen, die im Dezember online ging.

Und seit 2021 bin ich sozusagen auf dem Markt mit ALPHA und startete mit der Akquise. In den großen Ferien der Kinder wendete mich meinen Cut&Paste-Bildern zu. Bereits im Sommer des Vorjahres hatte ich mich daran versucht und war angenehm überrascht vom Ergebnis. Seitdem habe ich etliche, vor allem kleinformatige Objekte umgesetzt, von denen jedes einmalig ist.

Dein erstes Objekt ist, wie eben benannt, deine Scheibe ALPHA. Was macht deine Scheiben aus? 

Sie sind bunt und machen gute Laune (lacht). Nein, ... ich bin selber fasziniert, wie eine Installation mit ALPHA den Raum so grundlegend in seiner Stimmung beeinflussen kann. Durch die großflächige Farbwirkung strahlt die Installation weit aus. Deshalb eignet sie sich auch so gut für große Räume, wo ein Bild mit Motiv auf die Entfernung nicht zu erkennen wäre bzw. sich an der großen Wand verlöre. Und toll finde ich die Möglichkeit, dass man umgestalten kann und demzufolge ein gänzlich neues Feeling entsteht. 

Woher kommt deine Leidenschaft für Farben?

Willst du wirklich wissen, was mir dazu spontan in den Sinn kommt? Ich hatte als Teenager ein sonnengelbes Kleid. Das war ein richtiges Statement, was mir zu der Zeit gar nicht bewusst war. Ich habe es geliebt und ohne darüber nachzudenken, einfach getragen, weil es mir so ein tolles Lebensgefühl vermittelt hat. 

Später dann, im Studium, zimmerte ich mir ein offenes Regal für das kleine Bad zusammen, in das ich meine bunten Handtücher legte. Die Türe zum Bad blieb in der Folge offen, weil ich beim Anblick der Farben jedesmal einen kleinen Glücksflash hatte. 

Einem deiner Wettbewerbsbeiträge hast du das Thema Das Leben ist ein Gefühl ist eine Farbe gegeben. 

Ja genau, während meiner Selbständigkeit als Garten- und Landschaftsarchitektin habe ich an einem Nachwuchswettbewerb teilgenommen. Drei Themengärten für eine Gartenschau galt es zu gestalten. Ich habe mir für meinen Beitrag den Arbeitstitel Das Leben ist ein Gefühl ist eine Farbe gewählt. Diese Arbeit, die u.a. prämiert wurde, hatte und hat noch heute große Bedeutung für mich. Ich ordnet einem Gefühl eine Farbe zu. In meinem Begleittext habe ich beschrieben, was ein Gartenbesucher dort empfinden und erleben kann. So ein Stimmungsbild zu erschaffen, das Menschen mit in eine andere Wahrnehmung nimmt, war mir bei meinem Arbeiten, egal in welchem Bereich, immer ein Anliegen. 

Und so hat Farbe eine große Bedeutung für mich. In meinen Augen ist Farbe ein einzigartiger Stimmungsmacher. Farbe transportiert Gefühle und jede Menge Lebensfreude und Kraft.

Farbe ist auch in deinen Cut&Paste-Arbeiten das zentrale Thema. Eine Produktlinie von dir heißt SPIEL. Was hat es damit auf sich?

Ich habe die Bezeichnung SPIEL gewählt, weil es bei den Arbeiten um ein Spiel mit Farben und Formen geht. Die Bilder entstehen aus Papieren, die ich von Hand koloriert habe. Aus mehreren hundert Papieren wähle ich einen Farbklang, um daraus mittels Zuschnitt abstrakte Bilder zu gestalten. Meist starte ich mit einer Farb-Gefühl-Idee und konstruiere das Bild in seiner Formensprache vor. Oftmals folge ich im Lauf des Entstehungsprozesses dennoch einer spontanen Eingebung und lasse mein Konzept Konzept sein. 

Ach ja, SPIEL hat noch eine weitere Bedeutung: Wie bei einem Spiel Stricknadeln handelt es sich bei SPIEL nicht um ein Einzelstück. Mehrere Objekte bilden eine Einheit und ergeben die ein größeres Ganzes.  

Deine Objekte wirken wie Postkarten- oder Posterdrucke. 

Ja, richtig, die kleinen Formate könnten tatsächlich Postkarten sein. Sie haben plakative Wirkung und ziehen den Blick auf sich. Dabei ergänzen sich in der Regel mehrere Bilder und bilden eine kraftvolle Einheit. 

Dabei sind alle Bilder von Hand gefertigt und Unikate. Es gibt kein zweites Exemplar in Form und Farbstellung.

Bei deiner edition von ALPHA ist das anders. 

Bei der edition handelt es sich um eine Installation mit den Scheiben ALPHA, von der es mehrere Ausführungen gibt. Sie ist limitiert auf drei Fertigungen.

Bei einer edition verarbeite ich ein Farbthema, das mich zum Zeitpunkt der Entwicklung beeindruckt. Bei Kunterbunt etwa waren es intensive Sonnentage im Frühling 2021.  

Wie soll es weitergehen? Was ist dein Wunsch für 2022?

Ausstellen, ein bewegtes Publikum, beglückte Käufer und dann natürlich stimmige Vermarktungspartner. Und ALPHA könnte ich mir auch gut in der Teamentwicklung vorstellen. Wer weiß, vielleicht läuft mir hierfür noch ein Partner über den Weg ...

Darüber hinaus habe ich noch viele Ideen, die aber noch ein bisschen warten müssen (lacht). 

Hmm ..., einen hellen Atelierraum mit netten Menschen im Umfeld, den würde ich auch noch nehmen. 

Liebe Beate, ich danke dir für das interessante Gespräch und wünsche dir viel Erfolg für deinen weiteren Weg.

Ich danke dir.

RAUMgeBILDe Beate Maria Gehrke

                                    


Ich habe Spaß daran, mit Farbe zu spielen und 

Ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern

Beate Maria Gehrke